Mittwoch, 5. Juni 2013

Roadtrip Sizilien

Habt ihr schon mal auf dem Felsen der Fruchtbarkeit gesessen? Nein? Dann nichts wie los. Denn nicht nur, dass man (naja, zumindest ich) lernt, dass in der griechischen Mythologie Demeter die Göttin der Fruchtbarkeit war. Zusätzlich habt ihr von ihrem ehemaligen Tempel auch noch eine fast unwirklich wirkende Sicht auf das Hinterland Siziliens.

Der Felsen der Fruchtbarkeit war ehemals der Tempel der Göttin Demeter

Aber jetzt noch mal von vorne! Wer auf Sizilien einen Strandurlaub verbringt, hat entweder schon alles auf der Insel gesehen oder er verpasst etwas. Obwohl wir einen ruhigen Urlaub im Nichts geplant hatten, war es unmöglich das durchzuziehen. Auf einer Insel, bei der gefühlt jede zweite Stadt UNESCO Weltkulturerbe ist, müssen einen die Hummeln im Hintern einfach raustreiben. Gesagt, getan, der kleine Fiat wurde gesattelt und los ging es ins Hinterland sowie die Ostküste.

Ein größeres Auto? Unnötig!

Das Hinterland ist weit weniger touristisch, als es die Ostküste mit seinen ganzen Berühmtheiten es ist. Wir entschieden uns also für einen Besuch in Enna. Die Fahrt dorthin führte auch dazu, mit sämtlichen Fahrtambitionen auf Sizilien abzuschließen. Das hatte ich bereits hier erzählt.

Enna ist eine kleine verwinkelte Stadt am Berg mit Traumblick ins Hinterland. Ich träumte von idyllischen Gässchen im Italien-Style. Was mich erwartete, war ein einziges Verkehrschaos, Gehupe und Motorenlärm…eben in diesen kleinen, verwinkelten und hallenden Gässchen. Wer Ruhe sucht, ist hier falsch. Trotzdem ist dem Städtchen ein gewisser Charme nicht abzusprechen. Leider waren wir zur Zeit der Siesta dort, die auf Sizilien sehr streng genommen wird. Zwischen 13Uhr und 16Uhr ist so gut wie kein Geschäft offen. Stattdessen saßen offensichtlich alle gerade in ihren Autos und hupten.

Blick auf Enna vom Tempel der Demeter

Ennas Nachbarstädtchen

Entschädigt hat aber der Traumblick! Wer auf dem Felsen der Fruchtbarkeit steht, fühlt sich als Held der Welt. Fast schon kitschig mutet der Ausblick an. Und obwohl der Tag sehr trüb war, schaffte es die Sonne genau in diesem Moment zu uns durchzudringen. Ob uns die Göttin Demeter wohlgesonnen war? Fakt ist, beim Wegfahren verabschiedete sich die Sonne wieder! Sagt was ihr wollt, ich glaube es war Schicksal!

Später führte uns der Weg weiter nach Taormina. Bekannt als eine DER Touristenhochburgen Siziliens. Zugegebenermaßen wollte ich genau aus diesem Grund erst gar nicht hinfahren. Doch nur aus Prinzip deshalb auf Weltkulturerben zu verzichten macht ja auch keinen Sinn!

Der Weg nach Taormina führt durch Tunnel. Enge Tunnel. Auch mit einem Mini-Fiat. Da wundert man sich, dass noch keiner der vielen Touristenbusse stecken geblieben ist! Egal. Entgegen meiner Vermutung, dass sich Mietauto an Mietauto, Bus an Bus reihen, waren wir allein auf der Straße und steuerten das nächstgelegene Parkhaus zur Innenstadt an. Hier war so wenig los, dass die Hälfte der Ebenen sogar gesperrt waren.

Taormina ist – wie so viele Städtchen auf Sizilien – am Hang gelegen. Daher merke: wenn Du in einem Parkhaus am Berg parkst und raus in die Stadt möchtest, dann fahre ins oberste Stockwerk und nicht blind ins unterste. Denn dann stehst Du mitten auf der Hauptstraße und wunderst Dich wo die Stadt ist. Und ja, das ist ein Geständnis!

Ansonsten hat Taormina trotz Massentourismus – der sich aber im Mai noch einigermaßen in Grenzen hält – absolut seinen Charme behalten. Und geht man einfach mal in eine Seitenstraße zur Haupt-Touristenmeile, dem Corso Umberto I, dann wähnt man sich so gleich ganz allein.

Ständige Mega-Aussichten - das viele blau ist übrigens auch der Himmel ohne Wolken!
Eine Straße nach links und schon ist alles touristenfrei
Trotz Massentourismus hat sich Taormina seinen Charme durchaus bewahrt


Das Hauptziel der meisten Besucher ist das Teatro Greco. Selbstverständlich Weltkulturerbe und unsagbar schön. Das Theater ist auch das beste Beispiel dafür, dass sich die Griechen Mühe gaben, einen romantischen Platz mit Traumaussicht für ihre Künste zu finden. Gleichzeitig auch das beste Beispiel dafür, dass die Römer das nicht zu schätzen wussten und alles zumauerten, um ihre Gladiatorenkämpfe abzuhalten.

Hier kann man ausnahmesweise von Glück sprechen, dass einige Mauern verfallen sind. Denn sonst wäre einem der fantastische Blick von den Rängen aufs Meer und den Ätna verwehrt.

180 Grad Teatro Greco - im Nebel übrigens der Ätna

Es gibt Orte, da möchte man einfach nicht mehr weg: danke liebe Griechen!
Teatro Greco
Weiter führte uns der Roadtrip an der Ostküste entlang Richtung Süden. Genaugenommen in Richtung Siracusa.

Siracusa, oder Syrakus wie es zu Zeiten der Antike hieß, ist das beste Beispiel für die faszinierende Geschichte Siziliens, die mich in ihren Bann gezogen hat! Wir Mitteleuropäer sind ja schon stolz auf unsere mittelalterlichen Geschichten. Da können Sizilianer nur müde lächeln. Denn die Insel stand vor allem zwischen 500 und 100 v. Chr. im Mittelpunkt des Weltgeschehens.

In der Antike gehörte die Stadt zu eine der reichsten Metropolen des Mittelmeers. Aus diesem Grund natürlich auch von diversen Tyrannen schwer umkämpft. Denn Syrakus (wie es damals hieß) entspringt der kleinen Insel Ortigia, die der Stadt vorgelagert ist und über einen Damm schon damals mit dem Festland verbunden war. Mit seinen beiden Häfen war die Stadt natürlich attraktiv und hart umkämpft. Syrakus kam zu Wohlstand und selbst Athen wurde die Stadt irgendwann zu mächtig. Zu dieser Zeit lebten schätzungsweise rund 1.000.000 Menschen in der Stadt. Ihr könnt erahnen, was das für damalige Zeiten bedeutete.

Fahrt ihr in die Stadt hinein, erwartet euch wiederum Verkehrschaos. Für die Sizilianer mag es ja eine gewisse Ordnung haben, mir hat sich diese allerdings nicht erschlossen. Lauft ihr über die Insel Ortigia werden ihr für alles entschädigt. Uns erwartete ein Traumblick auf den kleinen Hafen bei Sonnenuntergang. Enge Gässchen mit unzähligen kleinen Cafés und Restaurants und Häuserfronten, die eher an eine Filmkulisse erinnerten.

Die leeren Straßen von Siracusa bei Nacht
 Bewegt ihr euch durch Siracusa, wandelt ihr auf gleichem Stein wie einst Archimedes, berühmter Sohn der Stadt. Als Mathematiker und Erfinder griff er aktiv in die Verteidigung seiner Stadt ein. So entwickelte er beispielsweise große Sonnenspiegel, die die römische Flotte in Brand setzen sollte. Allerdings erfolglos.

Besonders empfehlen kann ich euch einen Rundgang bei Dunkelheit. Die Gassen abseits des Tourismus sind total faszinierend und verlassen. Alles ist etwas einsam, aber trotzdem ergab sich für mich eine Wohlfühl-Atmosphäre. Auf einigen größeren Plätzen hingegen – z.B. am Dom – treffen sich Einheimische und Touristen, trinken und lauschen der Live-Musik. Es war schon fast zu schön, um wahr zu sein.

Einfach bezaubernd
Und das rauschende Meer immer dabei!

Zugegebenermaßen fiel es mir sehr schwer, Siracusa zu verlassen. Doch die fantastischen Beschreibungen unseres Reisehandbuchs trieben uns zum nächsten Weltkulturerbe, nämlich zur „schönsten Barockstadt Siziliens“, Noto. Auch hier traf man wieder auf Ausblicke die schon fast unwirklich schienen.

Doch manchmal sollte man einfach auf sein Gefühl hören. Besser wären noch ein paar Stunden in Siracusa gewesen. Manchmal ist man einfach schon so vollgepackt mit sich gegenseitig übertreffenden Eindrücken, dass für zusätzliche Eindrücke emotional einfach kein Platz mehr ist. Sorry, Noto, es hing wirklich nicht Dir…es war mein Problem!

Italien wie aus dem Bilderbuch
Was ihr aber auf gar keinen Fall verpassen solltet, ist ein Besuch des Valle dei Templi und/oder Selinunte. Denn diese unglaublichen Tempel nicht zu sehen, wäre tatsächlich ein Verlust. Man bekommt ein wunderbares Gefühl dafür, wie hochentwickelt die Gesellschaften bereits waren. Ob Straßensysteme oder künstlerische Tempelgestaltung, jeder Schritt war klar durchdacht. Wusstet ihr zum Beispiel, dass viele der Tempel damals bunt verziert waren?

Was ich besonders schön fand, dass es bei den Tempelanlagen keine Berührungsängste geben muss. Alles ist zum Anfassen und natürlich auch für Kinder toll zum Entdecken. Man kann natürlich darüber diskutieren, ob man dadurch den Erhalt gefährdet. 

Übrigens noch ein kleiner Geheimtipp! Im Sommer kann man das Valle dei Templi angeblich sogar bis zum Sonnenuntergang besuchen. Ein kleines Picknick bei Sonnenuntergang ist sicherlich wunderschön.

Valle dei Templi
Kultur zum Anfassen
Selinunte - klein, aber feine Aussichten
Seine Hoch-Zeit hatte Selinunte im 5. und 4. Jahrhunder v. Chr.
Und im Mai gibt es das Ganze noch (fast) ohne Touristen
Nicht so schön war bei diesem ganzen Roadtrip war die Beschilderung. Sowohl auf der Straße als auch bei den Sehenswürdigkeiten halten sich die Italiener stark zurück. Leider gehen gerade an den ganzen Highlights viele Informationen verloren. Die Insel ist klar auf geleitete Reisegruppen ausgerichtet, weniger auf Individualreisende. Da kann ich nur einen guten Reiseführer empfehlen.*

Ich hoffe, ich konnte auf diesmal etwas längeren Zeilen meine Begeisterung rüberbringen und euch ein bißchen anstecken.

Zur Belohnung jetzt noch einen ganz heißen oder eher kalten Tipp:
Probiert UNBEDINGT Eiscreme im Brioche! Ich meine Eiscreme alleine und Brioche alleine sind ja wohl schon sensationell…für die Kombination könnte ich sterben!!!

Und ja, ich gebe zu, in die Annalen der Food-Photography werde ich mit dem Bild nicht eingehen...ABER: Hauptsache es schmeckt!

Schmeckt himmlisch, ehrlich


Und hier noch unsere Roadtrip-Tour.



* Als Reiseführer kann ich euch das Reisehandbuch aus dem Michael Müller Verlag ans Herz legen. Sämtliche gelernten Weisheiten stammen aus dem Buch. Außerdem gibt es super Empfehlungen für Unterkünfte, egal ob Luxus-Hotel, Pension, B&B oder Campingplatz. Bestellt habe ich übrigens über Buch7.

Kommentare:

  1. Wow! Einfach nur wow! Sooo unglaubliche Fotos! Erinnert mich teilweise an Ligurien und teilweise an Griechenland, eine unglaublich tolle Mischung. Und spannende Geschichten außerdem. Also ich nominiere diesen Post für den interessantesten und schönsten im Juni! :)
    Danke und liebe Grüße /inka

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da fühl ich mich ja direkt ein bißchen geschmeichelt:-) Es ist auch wirklich supertoll gewesen! Im Sommer würde ich nicht hin, weil da ist es wirklich ziemlich voll, denke ich, aber im Mai lässt es sich gut aushalten!

      Löschen
  2. Ich habe auch schon die Hummeln im ... ;) Ich lasse jetzt noch ein wenig die Hitze abziehen und dann ab nach Sizilien! Toller Bericht! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, das freut mich Stefanie. Würde auch sofort nochmal :-)

      Löschen
  3. Beeindruckende Architektur! Natürlich ist diese Region eine gute Wahl für einen unvergesslichen Urlaub.

    AntwortenLöschen
  4. Was für ein guter Artikel , wirklich nützliche und interessante Informationen !

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Nina,
    Ich hätte mal ne Frage bezüglich eurer Übernachtungen. Habt ihr vorher schon hostels oder B&B's gebucht oder einfach auf gut Glück los?
    Lg, Svenja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Svenja,
      wir sind einfach auf gut Glück losgefahren. Hatte zur Folge, dass wir bei zwei Unterkünften leider auch nicht unterkamen. Aber in den Städten gibt es ja genügend Auswahl. Wir haben uns allerdings mögliche Unterkünfte aus dem Reiseführer rausgesucht, den ich erwähnt habe und haben diese als Station angefahren. Hat wie gesagt nicht immer geklappt, haben aber schnell eine gute Alternative gefunden bzw. dort etwas empfohlen bekommen. In den Sommermonaten würde ich das allerdings eher nicht machen, glaub da hat man wg. der Touri-Ströme weniger Glück. Doch im Mai ging es relativ problemlos...
      LG Nina

      Löschen
    2. Das klingt super. Wir hatten vor im Oktober zu fahren, dann sollte es ja ähnlich wie im Mai sein von den Kapazitäten.
      schönen Feiertag noch und lg,
      Svenja

      Löschen