Sonntag, 9. März 2014

Was mich auf Reisen glücklich macht

Wir tun es alle und immer wieder. Ob ständig oder hin wieder, ob nah oder fern. Wir packen unsere Koffer und entfliehen dem Alltag in den Urlaub. Für die meisten von uns bedeutet das Reisen eine Auszeit vom Alltag. Dabei ist jedem etwas anderes wichtig: Party, Kultur, Ruhe, Abenteuer, die Liste kann man unendliche lange weiterführen.

Doch was macht mich konkret am Reisen eigentlich glücklich. Genau das hat Christina von Reisemeisterei gefragt und ich habe mir ein paar Gedanken gemacht.

Eine Sache, die mich NATÜRLICH glücklich macht, ist das Finden einer schönen Unterkunft. Es geht nichts über ein gemütliches Ferienhaus, eine liebevolles, familiengeführtes Hotel oder einen Campingplatz an einem besonderen Ort. Was mich aber wirklich glücklich macht am Reisen ist die FREIHEIT! Ich fahre durchaus auch gerne in Städte zum Sightseeing, lerne neue Menschen oder fremde Kulturen kennen und schlendere durch das pulsierende Leben. Aber wirklich glücklich macht mich Weite und Freiheit.

Ich iebe es am Meer zu sitzen und einfach zu schauen.

Was meine ich mit Freiheit? Hier gibt es für mich vor allem zwei Aspekte. Der erste ist die Weite der Natur. Ich liebe es an Orten zu sein, wo der Blick schweifen kann und ich keine Grenzen sehe. Ich kann stundenlang am rauschenden Meer sitzen und das Wasser beobachten. Ich blicke auf den Horizont, atme die Meeresluft ein, höre das Rauschen und ich weiß, dass ich in diesem Moment genau an diesen Platz gehöre. Mein Kopf wird frei, ich habe viele neue Ideen und Inspirationen, ohne dass mich irgendetwas dabei belasten würde. Oder auf der Terrasse eines höhergelegenen Ferienhauses zu sitzen, bei einem Glas Wein in die Ferne zu blicken und mit meinem lieben Mann über die Welt zu philosophieren macht mich unglaublich glücklich. Aber auch mit dem Auto durch beeindruckende Landschaften zu fahren, wie in den USA oder Neuseeland und die ganze Weite des Landes zu spüren ist wirklich unvergleichlich.

Roadtrips mit unendlicher Weite

Die Einsamkeit und Ruhe am See


Um der Weite der Natur wirklich nahe zu sein, ist für mich das Zelten wesentlich. Auch wenn natürlich das Schlafen im kuscheligen Federkern-Matratzen-Bett häufig bequemer sein mag, so ist das Zelten für mich persönlich der ultimative Weg um abzuschalten. In meinem gemütlichen kleinen Zelt zu liegen und jederzeit die frische Luft einatmen zu können, ist etwas Besonders. Der Moment, der mich allerdings am allerglücklichsten macht, ist am Morgen aufzuwachen, die ersten Sonnenstrahlen zu erblicken, noch den Morgentau auf dem Gras zu spüren und die ersten Minuten in Ruhe auf meinem Campingstuhl zu sitzen und die Stille um mich herum zu genießen. Dafür bin ich gerne auf einsamen Plätzen, an besonderen Orten und verzichte ohne Probleme auf jeglichen Komfort.

Fast menschenleere Campingplätze. Hier habe ich übrigens auch meinen Heiratsantrag bekommen!


Der zweite Aspekt der Freiheit ist für mich die Zeit. Als Vollzeit-Arbeitnehmer ist die Urlaubszeit natürlich relativ streng umrissen. Doch innerhalb dieser Zeit liebe ich es flexibel zu sein. Daher fühle ich mich von Städtereisen (so interessant ich sie auf der anderen Seite finde) schnell gestresst. Den Drang viel sehen und erleben zu wollen, kann ich dann einfach nicht widerstehen. Daher brauche ich auch regelmäßig diese Auszeit-Ferien, bei denen Zeit keine große Rolle spielt. Das Zelt ins Auto werfen und einfach zum nächsten Punkt fahren, wenn einem danach ist. Und wenn es ein besonderes Plätzchen ist, einfach länger dort bleiben. Es ist nicht so, dass ich mir vor der Reise nicht eine Reiseroute zurechtlegen würde. Das ist mein roter Faden. Doch wenn sich die Situation vor Ort vielleicht ganz anders darstellt, als ich das in der Theorie planen konnte, habe ich keinerlei Probleme damit eines zu streichen, um mehr Zeit für das andere zu haben. Diese zeitliche Freiheit genieße ich in Abgrenzung zum doch meist durchgeplanten Alltag in der Stadt und macht mich tatsächlich sehr glücklich.

Insgesamt gibt es unzählige Situationen, die mich auf Reisen schon sehr glücklich gemacht haben. Ein paar besondere möchte ich hier noch hervorheben. Denn letztlich kommt es auch nicht darauf an, wie weit man reist, sondern auf besondere Orte und Momente und vor allem die innere Ruhe, sich in genau diesem einen Moment mit all seinen Sinnen darauf einzulassen und genießen zu können. Nur man selbst kann sich glücklich machen, indem man diese Momente des Glücks auch bewusst wahrnimmt und vor allem zulässt.

Hier eine kleine Auswahl sehr glücklicher Momente:

Das Liegen auf einem Steg im Havelland in Brandenburg im Frühling mit dem Blick in den strahlend blauen Himmel und den zurückkehrenden Vögeln aus dem Winterurlaub.

In Mainz am Rheinufer sitzen und mit meinem liebsten Mann Kirschkerne in den Rhein spucken.

Bei einem Glas Wein auf der Terrasse des einsamen Ferienhauses auf Sizilien sitzen, in die Ferne blicken und über das Leben philosophieren.

Bei Wind und Wetter einen Spaziergang an der Nordsee machen und danach eine heiße Tasse Tee trinken.

Der Blick auf die Golden Gate Bridge in San Francisco – er treibt mir jedes Mal die Tränen in die Augen.

Auf der Chinesischen Mauer zu stehen, in die Weite zu blicken und plötzlich zu begreifen, wie unglaublich das alles eigentlich ist.

Mir in Neuseeland den Fallschirm umzuschnallen, aus dem Flieger zu hüpfen und diese unglaubliche Landschaft von oben zu genießen.

In der Einsamkeit den Reißverschluss des Zelts zu öffnen, die frische Morgenluft einzuatmen und den Tau auf den nackten Füßen zu spüren. Ganz besonders denke ich dabei an Neuseeland und Kanada.


Das einsame Ferienhaus auf Sizilien
Traumhafte Momente im Havelland
Immer wieder beeindruckt mit die Golden Gate Bridge
Fallschirmspringen in Neuseeland: ein Traum!

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Dienstag, 21. Januar 2014

Erschwinglicher Mini-Luxus in Prag

Wie geht ihr eigentlich vor, wenn ihr eine Unterkunft in einer Stadt sucht, die ihr vorher noch nie besucht habt? Da ich nicht von dem Schlag Mensch bin, der zuvor schon den gesamten Reiseführer auswendig gelernt hat und somit auch kaum Ahnung und Orientierung habe, stellt mich die Suche jedes Mal vor ein großes Rätsel.

Zentral soll es natürlich sein. Aber heißt zentral mitten in der Innenstadt? Oder ist der Stadtteil daneben möglicherweise viel attraktiver, weil es ruhiger ist, mehr urige Kneipen gibt oder ein Künstlerviertel ist? Schwierig, wenn ihr mich fragt und meistens irgendwie eine Glückssache.

Genau dieses Glück hatten wir zuletzt in Prag. Gebucht haben wir eine Wohnung über Airbnb, nicht direkt in der Altstadt, sondern eher am Rand. Doch was Rand bedeutet, sieht man ja meist erst bei der Ankunft.

Die Einfahrt in Prag gestaltete sich eher hektisch. Die letzte Anweisung des Navi "in 50 Metern bitte links halten" brachte uns dann aber in ein wunderschönes Altbauviertel, direkt an einem Park gelegen. Und obwohl nur eine Querstraße vom Verkehrstrubel und Straßenbahnen entfernt, umschloß uns eine plötzliche Ruhe. Perfekt.

Empfangen von der sehr symapathischen Wohnungsbesitzerin - die auf dem Weg zu uns zufällig eine Polizeimarke gefunden hatte und wir uns schon die lustigsten Dinge zusammenreimten, was man damit alles anstellen könnte - kletterten wir die drei Altbaustockwerke hinauf.

Der erste Eindruck der Wohnung: WOW! Sehr modern, geschmackvoll eingerichtet und wahnsinnig großzügig...und ziemlich gut geheizt. In der Wohnung fehlte es wirklich an nichts und gedanklich richtete ich sie schon mit meinen eigenen Möbeln ein. Problemlos könnte man sich vorstellen, in dieser Wohnung auch länger zu bleiben. Alle Geräte waren topmodern und selbst Waschmaschine und Trockner standen zur Benutzung frei. Spätestens beim Blick auf den hypergigantischriesigen Fernseher steht fest: hier steckt richtig Geld drin!

Die durchaus gemütliche Schlafcouch
Für die große Runde zum Chillen geeignet

Einen kleinen Wehrmutstropfen bot die Wohnung dann allerdings doch noch. Sie wurde für 4 Personen angeboten und in eben dieser Anzahl waren wir auch dort. Aus irgendwelchen Gründen war ich davon ausgegangen, dass Person 3 und 4 problemlos auf der Ausziehcouch schlafen können. Doch zum Ausziehen war da leider nichts. Stattdessen musste Person 3 normal auf der Couch schlafen. Das war insofern keine große Comforteinbuße, da diese wirklich riesig groß war. Person 4 schlief auf einem Zustellbett in einer anderen Ecke. Romantisch gestalteten sich die Nächte dann also nicht, doch für 2 Tage erschien uns das verkraftbar.

Das Kuschelbett

Wenn etwas noch mehr als die Ausstattung bestach, dann war es die Lage. Gerade nachdem wir festgestellt hatten, wie hektisch es in Prag zugeht, waren wir sehr froh eher in Randlage zu wohnen. Ein Fußweg von ca. 10 Minuten zum Hauptbahnhof und entsprechend 11 Minuten zum Wenzelsplatz sind durchaus verkraftbar, entgeht man dadurch dem Touristenwahnsinn. Zudem befanden sich um uns herum unzählige Lokale und einige Cafés. Wir nutzten ausschließlich diese und fanden uns mehrheitlich zwischen Einheimischen wieder.

Alles in allem kann ich diese Unterkunft oder auch einfach die Lage nur empfehlen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Vermieter sind wirklich großartig.Und kleines Add-on: es gibt kostenloses W-LAN!

Kunst und Liebe zu allen Details auch in der Küche
Die Küche ist mit allen erdenklichen Utensilien ausgestattet - wer gerne selbst kocht ist hier richtig

Übrigens: direkt vor dem Haus ist lediglich Anwohnerparken erlaubt. In der Parallelstraße ist das Parken mit Parkausweis möglich. Sporadisches Nachwerfen in die Parkuhr reicht aber aus. Denn laut Aussage unserer Vermieterin ist es nicht schlimm, wenn der Ausweis mal abgelaufen ist. Die Polizei sieht dann, dass ja der gute Wille zum Bezahlen da war! Und tatsächlich, wir hatten nie einen Strafzettel. Wenn das keine positive Einstellung ist!

Mehr Infos findet ihr hier:
https://www.airbnb.de/rooms/199494

 

Größere Kartenansicht

Montag, 4. November 2013

Prag: auf der Suche nach der goldenen Kulisse

Kurz vor der Grenze taucht dieses Straßenschild vor uns auf. Bekannte Buchstaben reihen sich in unbekannter Reihenfolge aneinander. Ein Wort jedoch sticht heraus "Vignette". Ich beschließe meiner Verwunderung mit Ignoranz zu begegnen. Nicht so meine Mitfahrer. "Stand da gerade Vignette?" Und schon bricht die ahnungslose Diskussion los. Gilt das nur für LKWs? Nee, Vignette ist doch auch für Personenwagen. Gibt es in Tschechien tatsächlich Vignetten?

Man kann es nicht anders sagen: wir sind nicht vorbereitet. Wir haben uns ins Auto gesetzt und sind losgefahren. Ohne Geld, ohne Ahnung. Wir haben nicht mal die Grenze überschritten und es ist schon unverkennbar. Natürlich kann der verzweifelte Tourist an der Grenze mit seinen Euros noch schnell eine Plakette erwerben. Für 10 Tage. Wer hat sich die 10 Tage eigentlich ausgedacht? Warum nicht für eine Woche oder sonstige Zeiträume. Nein, 10 Tage sollen es sein.

Wir setzen unsere Fahrt in Richtung Prag fort. Begleitet werden wir von tief hängenden Wolken, die mit einem Regenschleier unsere Fahrt begleiten. So fahren wir in Prag ein. Wir erblicken die ersten wundervollen Häuser, doch von goldener Stadt ist leider wenig zu sehen. Die Wolken verhindern den Blick. Und das wird auch so bleiben, auch wenn wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Der Wenzelsplatz in seiner prächtigen Form
Kurze sonnige Momente mit der Absicht uns versöhnlich zu stimmen

Die Wohnung befindet sich in Praha 2 (dazu natürlich in Kürze mehr). Sie strahlt  gegen das Wetter an. So sehr, dass es schwer fällt, überhaupt nochmal in den Regen zu gehen. Ein kurzer Fußweg führt uns zum Wenzelsplatz. Wobei Platz ein bißchen übertrieben ist, es handelt sich doch eher um das Ende einer Einkaufsstraße. Wir erblicken das berühmte Denkmal und kapitulieren zur gleichen Zeit. Es schüttet in Strömen.

Das wunderbare Lokal nicht weit von unserer Wohnung rettet den Abend. Das Bier ist günstig und das Essen der Wahnsinn. Fleischlastig, man kann es nicht anders sagen. Wer auf der Suche nach Gemüse ist, sollte einen Salat bestellen, ansonsten wird es eng. Trotz allem: ob morgens, mittags oder abends, wir wurden beim Essen nie enttäuscht. Es gibt unzählige wunderbare Cafés und Lokale (auch außerhalb der Altstadt). Ob urig, szenig, gemütlich, alles ist zu haben und die Bedienungen sind ohne Ausnahme entzückend und aufmerksam.

Bars und Kneipen: einfach irgendwo fallen lassen, wir fühlten uns immer sofort wohl

Der nächste Tag führt uns in die Altstadt Prags. Grau ist es geblieben, doch wir werden mit Nieselregen statt Starkregen belohnt. Trotz des miesen Wetters haben sich noch viele andere Touristen in die Stadt verirrt. Sehr viele. So viele, dass es kaum möglich ist, nicht permanent angerempelt zu werden.

Schade, denn die an diesem Tage vermeintlich goldene Stadt ist wirklich wunderschön. Selten habe ich einen solchen Reichtum an Details an einer solchen Masse von Häusern gesehen. Figuren, Verzierungen oder einfach geschmackvolle Bauten. Der Blick von der Karlsbrücke lässt einen fast eine Filmkulisse vermuten. Wenn da nur die Menschen nicht wären.

Blick auf die Karlsbrücke aus sicherer Touristenentfernung

Doch wie so häufig in Städten, die kurz vor dem Touristenkollaps stehen, muss man nur mal eine Straßenbiegung nehmen und schon kehrt plötzliche Ruhe ein. So auch in Prag. Wir entdecken weitere kleine Lokale an der Moldau, Liebesbekundungen an Brücken und schließlich die John-Lennon-Wand. An ihr zu stehen wird mein Moment an diesem Wochenende. Nicht, dass ich explizit John Lennon Fan wäre. Doch es gibt Atmosphären. Und eben diese Atmosphäre nimmt mich dort gefangen. Ein einsamer Gitarrist beglückt uns ruhig und hinreißend mit den alten Liedern, ansonsten herrscht Stille auf dem Platz. Ich habe meine Oase gefunden und es fällt mir schwer, mich loszureißen. Ich möchte bleiben, wen kümmert schon der Regen.

Meine kleine Oase...
...die John Lennon Wand
Eine von vielen Brücken, die genau so aussahen


Doch wir erkunden weiter die Stadt. Ich liebe es, einfach herumzulaufen. Keine To-Do-Liste. Keine Pflichten. Die Stadt soll auf mich wirken, viel mehr möchte ich nicht. Ich bin kein großer Museums-Gänger, auch wenn es davon in Prag unzählige gibt und es eine naheliegende Idee ist. Wir steuern den alten jüdischen Friedhof und die Synagoge an. Dabei bleibt es, denn wer mitdenkt weiß, hier steht man samstags vor verschlossenen Türen. Es soll einfach nicht sein.

Prag lässt mich ratlos zurück. Der Regen, die Menschenmassen, all das hat mich deprimiert. Doch ich glaube zu erkennen, warum jeder von Prag fasziniert ist. Die Stadt ist wirklich unbeschreiblich vielfältig. Und gleichzeitig wickelt sie mich mit ihrem Kleinstadt-Charme um den Finger. Denn es lässt sich vieles erlaufen. Prag ist klein und das mag ich. Sie hat es uns wirklich nicht einfach gemacht und doch haben wir uns alle ein bißchen verliebt. Ob es zur großen Liebe reicht, das weiß ich noch nicht. Aber ich werde Prag nochmal eine Chance geben!

Und wie um zu sagen "hey, so können wir doch nicht auseinander gehen!" erwartet uns am Abreisetag ein strahlend blauer Himmel. Ist es Hohn oder ein Versöhnungsangebot? Ich glaube fest an die Versöhnung. Denn am Ende zwinkern uns die goldenen Türme der Stadt doch noch im Sonnenlicht zu.

Und es geht doch!