Montag, 8. Juli 2013

Unterwelten - Budapest von oben kann jeder

Ihr habt meinen letzten Artikel über Budapest gelesen? Da habe ich etwas von Kultur, Ausgehen und schönen Aussichten geschrieben. Aber es geht auch anders. Nämlich wenn ihr euch von oberhalb Budapests in Richtung Unterwelt begebt!

Unterwelt? Ja, Unterwelt. Denn Budapest verfügt über ein unvergleichliches Höhlensystem. Unglaubliche 120 km zieht sich das Tunnelsystem im Verborgenen unter der Hauptstadt. Zu verdanken sind die Höhlensysteme den in Budapest reichlich vorhandenen heißen Thermalquellen. Diese führten vor vielen, vielen Jahren dazu, dass sich Hohlräume unterhalb der Stadt bildeten.

Überblick über das unglaubliche Höhlensystem
Und eben diese kann man in teilweise geführten Wanderungen begehen. Wobei ich die Wörter „Wanderung“ und „begehen“ nicht so meine, wie ich sie schreibe. Dazu gleich mehr.
Als sich die Wahl zwischen Thermalbad und Höhle vor mir auftat, stand die Entscheidung relativ schnell fest: die Höhle soll es sein. Der Abenteurer in mir hüpfte und freute sich auf spannende Eindrücke. Wir fuhren etwas aus der Stadt heraus, um den Eingang zum Pál-vöglyi Höhlensystem zu erreichen. Hier kommt man übrigens auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin.

Wie ich diese „Höhlenwanderung“ einordnen soll, weiß ich bis heute nicht. Als meine kleine Therapie schreibe ich einfach alles auf und dann entscheidet ihr.

Wenn ich euch sage, dass wir in gut 2 Stunden nur 600 Meter zurückgelegt haben, dämmert euch vielleicht auch, dass es sich nicht wirklich um eine kleine „Wanderung“ handeln kann. Als ich im Umkleideraum die ersten Bilder von durch WINZIGE Felspalten kletternden Menschen sah, wurde mir ganz anders. Auf meine ersten zaghaften Angst-Bekundungen, erklärte mir der Tour Guide, dass er diese Tour auch mit „XXL-Americans“ mache. Es gibt für mich im nachhinein nur drei mögliche Erklärungen für diese Aussage:
  1. Er wollte mich nur beruhigen und hat gelogen.
  2. Ich unterschätze „XXL-Americans“.
  3. Ich bin mit einem „XXL American“ gleichzusetzen.
Wie auch immer, der Guide erschien mir vertrauenswürdig und in gesamter Montur lief ich (zumindest ein bißchen) siegessicher in Richtung Höhle. Nach den ersten interessanten Infos und 20 geraden Metern, ging es zunächst eine Leiter weiter in die Tiefe. Das war alles auch noch nicht das Problem. Doch je länger wir voranschritten – zur Info: es kam im Anschluss kein annähernd normaler Weg mehr – desto unwirtlicher wurde die Gegend.

Wie? Staut es sich da etwa hinter mir? (Foto: Ingo Busch - www.reise-wahnsinn.de)

Nun jucken mich solche Abenteuer ja schon. Doch was wir da leisten mussten, war schon wirklich an der Grenze. Militärübungen, bei denen man nur mit den Armen durch ein Loch kroch. Abhänge bei denen man sich seitlich mit Rücken und Füßen die Wand herunterließ. Und wenn es mal zu steil zum Laufen ist, immer Rutschen. Wobei das auf den Steinen Rutschen das gemütlichste war.
Tja, und so bewegten wir uns die kommenden 2 Stunden in totaler Finsternis (natürlich mit Stirnlampen) unsere 600 Meter voran.

Am Ende war ich geflasht. Irgendwo zwischen Eurphorie und Horror. Denn ich muss ja zugeben: die Sportlichste bin ich wohl nicht. Und sich dann bergsteigermäßig den Fuß neben den Kopf zu stellen und sich mal kurz mit den Armen hochziehen, während alles auch noch klitschig ist…das hat mich an mancher Stelle überfordert.

Meeeiiiiin Schaaaaatz!!!! (Foto: Ingo Busch - www.reise-wahnsinn.de)

Wer sieht hier locker, lässig, entspannt aus und hat alles im Griff? (Foto: Ingo Busch - www.reise-wahnsinn.de)

Andererseits war ich stolz wie bolle, dass ich es doch geschafft habe. Die Guides hatten bestimmt ein bißchen unter mir zu leiden, haben aber an jeder Stelle vorbildlichst unterstützt. Außerdem war ich dann doch irgendwie froh, es gemacht zu haben. Denn hätte ich vorher gewusst, wieviel blaue Flecken und Muskelkater da auf mich zukommen, wäre ich ein kleiner Hosenscheißer gewesen. Sorry, aber so muss ich es sagen.

Ob ich es allerdings nochmal tun würde, stelle ich mal in Frage. Aus meiner Sicht wird man etwas zu wenig – also gar nicht – vorbereitet, wie körperlich anstrengend die Sache ist. Unter dem Begriff „Höhlenwanderung“ hatte ich zunächst etwas anderes erwartet.

Wie ich anschließend erfahren durfte, gibt es auch tatsächlich Wanderungen, die den Namen verdienen. Falls ihr also Lust auf die wirklich faszinierenden Höhlen, aber weniger auf Adrenalin habt, ist sicher auch etwas für euch dabei.

Mehr Infos findet ihr hier: www.caving.hu

Ja, ihr düft kommentieren ;-) (Foto: Angelika Gürtl - www.nomadearth.com)

Mission completed! (Foto: Angelika Gürtl - www.nomadearth.com)
Auf diese Reise wurde ich vom Ungarischen Tourismusamt eingeladen. Danke an Bernadett und Eva für die wunderbare Begleitung. Meine Ängste und Meinungen sind davon unbeeinflußt.

Kommentare:

  1. Hi Nina,

    tollen Bericht hast Du da geschrieben. Mir fehlt da allerdings ein wenig die Begeisterung für blaue Flecke ;-)

    BTW: Mein Blog-Adresse schreibt sich mit Bindestrich, also www.reise-wahnsinn.de :-)

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    1. Ehrlich gesagt hatte ich überlegt, auch noch ein Foto meiner blauen Flecken zu posten...wollte es dann aber nicht bertreiben ;-)

      Sorry wg. der Adresse...hab ich natürlich korrigiert!

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  2. Chichi, sehr schön! :) Ich grübele auch noch, mit welcher Variante (1, 2 oder 3) ich Dich jetzt beruhigen soll... ;)

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  3. Uahh... also je mehr Bilder ich sehe, desdo glücklicher bin ich über meinen relaxten Nachmittag. Und anstrengend war's im Wellenbad übrigens auch: *yipppey* ... *huiiii* .... *ooooahhhh* *yeaahhh!!*

    Zwecks deinen Überlegungen zu den "XXLern" habe ich noch eine ganz andere Theorie: Euer Guide sagte ja nur, dass er die Tour mit solchen Menschen "machen" würde. Hat er denn jemals behauptet, dass die auch zurück ans Tageslicht kommen?

    LG Phil

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  4. hehe Nina, das ist ja ein witziger Bericht! Ich finde auch, dass du stolz auf dich sein kannst und sei dir gewiss, ein XXL-Amerikaner bist du ganz bestimmt nicht!

    Ich bin trotzdem mit meinem Rentnerinnen-Programm im schönen Jugendstilbad ganz zufrieden gewesen, nimms mir nicht Übel. LG, Nicole

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    1. Das Bad nach der Höhlentour wäre perfekt gewesen. So war ja ursprünglich der Plan ;-)

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  5. Auf nach Budapest. Hat mich bisher nie so interessiert, aber Deine Berichte machen Lust diese Stadt zu erkunden. Auch wenn mir das mit der Höhlentour zu gruselig wäre. Spannend hört es sich trotzdem an. Das macht in der Tat nicht jeder. GlG, Nadine

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    1. Ist wirklich eine tolle Stadt! Ein bißchen verrückt, ganz viel Kultur und irgendwie total entspannt! Ich war bestimmt nicht das letzte Mal da :-)

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  6. Cool, da habt ihr aber nicht gerade die "touristengewöhnichsten" Sachen gemacht. :-) Gruß

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